Im vergangenen Monat hatte ich (mindestens) zweimal, nämlich im Rahmen meines Bibelleseplans und später beim Lesen der Losungen, die Gelegenheit, mich mit folgender Bibelstelle auseinanderzusetzen, die ich hier im Luthertext wiedergebe:
Und ich sah ein andres Zeichen am Himmel, das war groß und wunderbar: sieben Engel, die hatten die letzten sieben Plagen; denn mit ihnen ist vollendet der Zorn Gottes. Und ich sah, und es war wie ein gläsernes Meer, mit Feuer vermengt; und die den Sieg behalten hatten über das Tier und sein Bild und über die Zahl seines Namens, die standen an dem gläsernen Meer und hatten Gottes Harfen und sangen das Lied des Mose, des Knechtes Gottes, und das Lied des Lammes:
“Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, allmächtiger Gott!
Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, du König der Völker.
Wer sollte dich, Herr, nicht fürchten und deinen Namen nicht preisen?
Denn du allein bist heilig!
Ja, alle Völker werden kommen und anbeten vor dir,
denn deine gerechten Gerichte sind offenbar geworden.”
(Offenbarung 15,1-4, Luther-Übersetzung)
Und ich mußte beim Lesen erneut feststellen: Ja, auch das ist unser Gott! Das ist der Gott, um den es in der Bibel geht, der einzige Gerechte, der Vater Jesu Christi, der Schöpfer und Vollender der Welt. Das ist der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Gott Jesajas, Jeremias und Daniels, der Gott, dem Paulus und Johannes gedient und ihr Leben gegeben haben. Und es ist seine unpopuläre, frontal gegen den aktuellen Zeitgeist stehende Seite, die hier beschrieben wird.
Viele kennen die obigen Zeilen aus dem bekannten und auch von mir immer noch gern gesungenen Chorus von Stuart Dauermann, aber bedauerlicherweise kennen nur die wenigsten den Kontext dieses “Liedes des Lammes” und wissen, worum es hier tatsächlich geht, weil eschatologische Themen in Predigt und Lehre wie kaum etwas anderes gemieden werden und gemeinhin entweder als irrelevant oder als “un-nett” gelten.
Wir treffen hier auf eine fast surreal anmutende Kontrastsituation. In der Lobpreisschar finden wir die, die “ihr Leben nicht geliebt haben bis an den Tod”, die “den Sieg behalten haben über das Tier” und es weder angebetet noch sein “Zeichen” angenommen haben. Der hier beschriebene Lobpreis findet nicht im luftleeren Raum statt, sondern ist mit einem konkreten Anlaß verbunden: Gott läßt seine Gerechtigkeit walten – und zwar seine bestrafende Gerechtigkeit. Und Gott nimmt diesen Lobpreis an – immerhin wird es das “Lied des Lammes” genannt, somit ist letztlich Jesus sogar dessen Autor. Ja, es gibt offensichtlich einen künftigen Zorn Gottes (das Thema hatten wir neulich erst), dessen Höhepunkt hier angekündigt wird und dessen Ausführung die nachfolgenden Verse beschreiben. Und alles, was wir im Kontext finden, deutet darauf hin, daß es sich um schwere, über die Welt als Ganzes gehende Universalgerichte handelt.
Soweit der Befund. Wer dieses “retributive” Gerechtigkeitsverständnis ernst nimmt und vor diesem Hintergrund den linksorientierten bis neomarxistischen Sozialingenieuren unserer Tage sowie ihren theologischen und journalistischen Helfern die Stirn bietet und darüber hinaus noch die eine oder andere Angriffsfläche aufweist, hat gute Chancen, von den Exponenten der Emergenten Bewegung zum “Neo-Apokalyptiker” erklärt zu werden. Auch andere liebevolle wohlklingende Bezeichnungen sind denkbar, wie z.B. “Paläo-Charismatiker” oder “Archäo-Evangelikaler”. Was man aber eigentlich mit diesem elaborierten Code vordergründiger theologischer Kultiviertheit mitteilen möchte, ist so etwas wie “Du nicht weichen wollendes Relikt der Moderne ohne Sprachfähigkeit!”, oder kürzer ausgedrückt: “Du Vollpfosten, Du!”
Wer sich also auf der Basis einer biblisch-christlichen Weltsicht in aktuelle gesellschaftspolitische Debatten einmischt oder Kritik an häretischen Entwicklungen im evangelikalen Umfeld übt, bekommt ein “liberales Feindbild” attestiert mit dem Zusatz “Kein Wunder, bei der Apokalyptik!” Überhaupt werde die evangelikale Bewegung – so “Emergent Deutschland”-Fürst Peter Aschoff in seinem peregrinatio-Blog seinen Gewährsmann Franky Schaeffer zitierend (zwar im Blick auf die USA, aber sehr wohl an deutsche Ohren gerichtet) – “durch ein paar Stars und eine Reihe von Feindbildern zusammengehalten. Wer letztere nicht teilt, wird hinausgedrängt.”
Also mal ehrlich, ich kenne kaum eine Bewegung der letzten 200 Jahre im Dunstkreis des Christentums, die derart von einem intensiv gepflegten (zudem innerchristentümlichen) Feindbild lebt und zusammengehalten wird wie heute die Emergente Bewegung. Die Emergente Bewegung ist vor allem eines: Ein gigantischer, global angelegter Rachefeldzug gegen klassische evangelikal-charismatische Theologie, der Häresie zur Orthodoxie und Orthodoxie zur Häresie erklären möchte – und der sich auch daraus speist, daß die Emergente Bewegung zumindest in Deutschland ein Sammelbecken unzufriedener Kinder evangelikaler Väter ist (man beachte nur einmal die Nachnamen!), deren eventuelles Versagen in puncto Authentizität, Transparenz und Anleitung zu reflektiertem, mündigem Glauben sie hautnah erlebt haben, das sie aber fälschlicherweise der biblisch-christlichen Weltsicht selbst sowie der Korrespondenztheorie der Wahrheit anlasten. 
Und es ist ein überaus gewaltiges, monströses Feindbild, was da in emergenten Kreisen beinahe täglich in Postings gepflegt wird, das sachliche Emergent-Kritiker und auch einfach Nichtemergente teilweise bis hin zur Unkenntlichmachung ihres Menschseins und Christseins verzerrt. Die von Joel Borofsky in seinem “offenen, aufrichtigen Brief an die Anhänger der Emergenten Bewegung” geäußerte Kritik am Umgang der Emergenten Bewegung mit ihren Kritikern trifft also nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland ins Schwarze. Christen, die an der herkömmlichen evangelikal-charismatischen Theologie festhalten, wird mit einer teilweise unglaublichen intellektuell-moralischen Hybris begegnet (
diverse Postings von mir), und immer wieder schimmert gerade bei Peter Aschoff durch, daß er gegen solche Christen mitunter auch gemeinsam mit säkularen Kräften aus Staat, Gesellschaft und Journalismus “vorgehen” möchte oder sie von ihren Leitern “eingenordet” sehen möchte. Er macht sie für den ZEIT-Verriß von “Jesus House” verantwortlich, rückt sie sogar in unappetitliche Nähe des norwegischen Attentäters Anders Breivik, dann wiederum sind sie wegen ihrer Überzeugungen “im Hinblick auf die postmoderne Gesellschaft nicht sprach- und anschlußfähig” – und diese Liste ließe sich fortsetzen. Wenn man man noch anfügen würde: “…und sie waschen sich nicht”, würde das kaum noch auffallen.
Hinsichtlich dieses durchgängig äußerst rüden Zungenschlags scheint auf emergenter Seite weithin keinerlei Unrechtsbewußtsein zu existieren. Beispielsweise wurde meine Bemerkung in meiner Apologetik-Sektion, daß Peter Aschoff durch “[...] eine sehr unangenehme rüde Tonlage gegenüber Christen auffällt, die an der klassischen biblisch-christlichen Weltanschauung festhalten”, von diversen Kommentatoren auf der Facebook-Seite von “Physhbourne Sundries” (Georg Warnecke) gar nicht bestritten oder Peter Aschoff dagegen verteidigt, sondern nur höhnisch kommentiert und sich darüber lustig gemacht:
N.N.: peter aschoff fällt durch eine “rüde tonlage” auf 
Mittwoch, 25. Mai 2011 um 23:46
X.Y.: na, das ist ja witzig
)
Donnerstag, 26. Mai 2011 um 07:51
Was dieser Mann, Vorsitzender der Evangelischen Allianz Erlangen, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit von “Alpha Deutschland” (Alpha-Kurs) und immer noch Angehöriger des “Kreises Charismatischer Leiter” (KCL) in Deutschland, mindestens seit Beginn meiner Beobachtungen 2009 im peregrinatio-Blog an menschlichem Disrespekt über Nichtemergente ausgießt, die an klassischer evangelikal-charismatischer Theologie und an der Korrespondenztheorie der Wahrheit festhalten, ist eigentlich unfaßbar und zum Heulen und läßt sich auch nicht mit dem idea-Zitat über die “Zwangsläufigkeit eines gewissen Flurschadens bei Leitungskräften” (was ich durchaus nachvollziehen kann) entschuldigen:
Der Pfarrer der Elia-Gemeinde in Erlangen, Peter Aschoff, vertrat die Ansicht, dass Leitungskräfte bereit sein sollten, Verletzungen zu erleiden. Sie müssten sich trauen, auch Unpopuläres zu sagen, und mit den Konsequenzen leben. Es sei bei ihnen fast zwangsläufig, dass neben ihren Erfolgen auch “ein gewisser Flurschaden” entstehe.
(aus: “Gemeinden brauchen Ideen. Hier sind Beispiele!”, idea Spektrum 05/2012, S. 8/9; Bericht über “inno2012″)
Wie blanker Hohn klingt da nur wenige Zeilen später im selben idea-Artikel der ausgerechnet von Johannes Reimer stammende Satz: “Gebraucht werde eine positive Streitkultur“. Na, dann faßt euch mal an die eigene Nase! Und fangt darüber hinaus wieder an, Wahrheit, intellektuelle Redlichkeit und Transparenz zu praktizieren. Selten so mit dem Kopf geschüttelt…
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