NARJESUS erweitert den Horizont – Blog

NARJESUS erweitert den Horizont – Blog

narjesus-Blog kehrt in die Blogosphäre zurück

Nach mehrjähriger Abstinenz kehrt der narjesus-Blog nun in die öffentliche Blogosphäre zurück. Seit geraumer Zeit nutzte ich vor allem Twitter zur Beleuchtung und Kommentierung aktueller Entwicklungen und zur Weitergabe von Informationen und Meldungen. Auch wenn die Begrenzung auf 280 Zeichen durchaus nützlich sein kann, weil sie zu Verdichtung, Prägnanz und Beschränkung auf das Wesentliche zwingt, gibt es doch etliche Vorgänge, die sich eben nicht in der gebotenen Sorgfalt in dieser Kürze darstellen lassen. Dies gilt um so mehr, als daß die bedenklichen, ja zum Teil verheerenden Entwicklungen in Land und Kirche, in Gesellschaft und christlicher Szene in ihrer ganzen Vielschichtigkeit beleuchtet werden müssen. Schweigen ist bequem; Schweigen ist aber auch feige – das dürfen wir nicht! Wir, die Gemeinde Jesu, haben einen prophetischen Auftrag gegenüber der Gesellschaft. Nehmen wir ihn wahr.

In diesem Sinne werden in Kürze hier wieder neue Beträge von mir erscheinen.

Church Resource Ministries (CRM) – ein weiteres emergent-missionales Missionswerk

Vor etwa einem halben Jahr berichtete ich hier im Blog über drei in Europa aktive, schon langjährig bestehende und doch „seltsam unbekannte Missionswerke“, auf die ich bei meinen Nachforschungen zur Emergenten Bewegung immer wieder gestoßen bin und die sich als treibende Kräfte bei der Emergentisierung und Postmodernisierung des christlichen Glaubens in Europa sowie der Propagierung einer Vorverlagerung der gesellschaftlichen Verheißungen des messianischen Friedensreichs als „Königreich Gottes“ in die Jetztzeit erwiesen haben.

Weitere in der Zwischenzeit von mir gewonnene Erkenntnisse deuten darauf hin, daß diese Trias aus CAI (Christian Associates International), GEM (Greater Europe Mission) und OCI (One Challenge International) um ein viertes derartiges Missionswerk erweitert werden muß, nämlich „Church Resource Ministries“ (CRM).

CRM wurde 1980 von mehreren durch die „Navigatoren“ geprägten Christen mit der Absicht gegründet, der Vernachlässigung des Jüngerschaftstrainings in den Ortsgemeinden entgegenzuwirken und die Ortsgemeinden wieder zum wesentlichen Träger der Weltmission und -evangelisation zu machen, und stand in den Gründerjahren stark unter dem Einfluß der Gemeindewachstumsbewegung um C. Peter Wagner und des Fuller Theological Seminary (School of World Mission, Institute of Church Growth). Seit der Jahrtausendwende hat sich das mittlerweile in die vier Dienstbereiche

  • ChurchNext,
  • Ethne,
  • Missionale Kommunitäten und
  • Orden

gliedernde Missionswerk, das im Rahmen des „CoNext-Netzwerks“ seit einigen Jahren auch ein Netzwerk von Partnerorganisationen in verschiedenen Ländern aufbaut, zu einem bedeutenden Förderer von Emergentisierungstendenzen und der Ausbreitung emergent-postmodernistischen Gedankenguts in der christlichen Szene weltweit entwickelt.

Während CAI die Emergentisierung der christlichen Szene hauptsächlich durch Gemeindepioniermission, die Initiative „ServeTheCity“ sowie die theologische Hintergrundarbeit von Andrew Perriman (TREK, Amahoro Africa, P.OST) vorantreibt und GEM sich hierzu strategisch wichtiger Positionen in europäischen „Parachurch“-Organisationen (Deutscher Runder Tisch für Gemeindegründung, European Missions Research Group) bedient, arbeitet CRM hierauf anscheinend vor allem durch Schaffung postmodernistisch orientierter, oft stark kontemplativ geprägter emergent-missionaler Kommunitäten („Neues Mönchtum“) hin, die unter anderem der Formung künftiger emergenter Leiter dienen und eine „versöhnend-erlösende (‚heilandige‘) Präsenz“ missional-inkarnatorischer Art in der lokalen Gesellschaft darstellen sollen. In diesen trifft man gelegentlich auch auf bekanntere Namen der emergenten Szene.

Diese bekannteren Namen waren es auch, die mich auf die Spur des CRM-Arbeitszweiges „NieuCommunities“ führten, durch den das ganze Werk überhaupt erst in mein Blickfeld geriet. So war etwa niemand Geringeres als Roger Saner, langjähriger Leiter von Emergent South Africa, der maßgeblich an der Verwirklichung von Amahoro Africa beteiligt war, bekennender NLP-Master-Practitioner und einer der schillerndsten, agilsten und subversivsten Akteure der weltweiten Emergenten Bewegung der letzten 6 Jahre, für die Dauer des Jahres 2008 Mitglied („Apprentice“) der NieuCommunities Pangani im südafrikanischen Pretoria:

[…]

I live at Pangani, the name of a guesthouse which Nieu Communities a new monastic community in Pretoria North is based out of. I’m documenting some of this journey at my Beyond the Boerewors Curtain blog. I’m deeply interested in the Church in South Africa – both its history in supporting and condemning Apartheid and its future as we work towards the kingdom of heaven coming here on earth. I blog about these things at FutureChurch.

I’m part of a group of missionally-minded forward-thinking people called the emerging church conversation. Although much of this conversation happens face-to-face, the Emerging Africa website helps facilitate some of this.

[…]

I’m a certified NLP practitioner (doing Masters in August [2008]) and am thinking of become an Adobe Certified Instructor (ACI) in Photoshop CS3. This ties into my plan for world domination in 2009, which involved moving between Pretoria, Joburg and Cape Town for the year. The ACI will add some training abilities to my skillset.

(aus: burningdog.co.za (Roger Saner), „My Life“ – Stand 2008)

Eine weitere interessante Gestalt in diesem Kontext ist Jon Huckins von NieuCommunities San Diego (Kalifornien, USA), Pastor und Missionar und einer der führenden Köpfe dieses CRM-Arbeitszweiges. Jon Huckins schreibt gelegentlich für die einschlägigen emergenten Websites TheOoze und Red Letter Christians und ist auch als Buchautor zu Themen emergenter Gemeindepraxis in Erscheinung getreten. In der 2007-2009 zu Zondervan gehörenden emergenten Edition YouthSpecialties (YS) ist von Jon Huckins der vor allem auf die Jugendarbeit abzielende Buchtitel „Teaching Through the Art of Storytelling: Creating Fictional Stories that Illuminate the Message of Jesus“ erschienen, der von Dan Kimball, einer führenden Persönlichkeit der internationalen emergenten Szene, nicht nur empfohlen wird, sondern zu dem er sogar das Vorwort geschrieben hat.

Jon Huckins propagiert in seinem Buch das Storytelling-Paradigma, indem er  zum Kommunizieren durch Kreieren fiktiver Stories anleitet und das hinter diesem Paradigma stehende Gedankengut theologisch-philosophisch zu rechtfertigen versucht. Das Problem hierbei ist nicht das Geschichtenerzählen an sich (das hat Jesus auch getan, und nicht zu knapp), sondern das Schaffen und Fördern einer postmodernismuskonformen Kultur, die dem als Basis für begründete Entscheidungen wichtigen Finden, Herausarbeiten und Bündeln von Wahrheit und Erkenntnis mittels Reflexion, Analyse, Strukturierung, Systematisierung und Formulierung von präzisen Aussagen großflächig den Rücken kehrt und stattdessen ihr Leben „in Stories eingetaucht“ leben will ( mein Posting „Storytelling – das Wundermittel der ’neuen Zeit‘ zur sanften Abschaffung der Realität und des Denkens“ für eine vertiefende Erörterung dieses Themas). Nun ist Jon Huckins beileibe nicht der einzige Storytelling-Befürworter bei CRM. Vielmehr trifft man bei CRM auf Schritt und Tritt auf Leute, die sich als „Storyteller“ bezeichnen und die entsprechende „Denke“ an den Tag legen und verbreiten.

Mit dem so gewonnenen Eindruck, daß CRM oder wenigstens Teile davon massiv die Emergente Bewegung unterstützen, selbst einen Teil von ihr darstellen und ein postmodernistisch verändertes Christentum propagieren, bin ich offenbar nicht allein, wie meine weiteren Nachforschungen im Internet rasch zeigten, denn der seit 1985 amtierende CRM-Präsident Sam Metcalf reagierte Anfang 2008 auf seinem Blog „Under The Iceberg“ mit einer vielsagenden Replik auf immer wieder lautgewordene Kritik an CRM für den pro-emergenten Kurs dieses Werkes und sein teilweise stark kontemplatives Gepräge, welches sich beispielsweise an der zum CRM-Arbeitszweig ChurchNEXT gehörenden und auf das Coaching christlicher Leiter zielenden Kommunität „Imago Christi“ manifestiert: Hinter dem berechtigten Anliegen, christliche Leiter in eine wieder erneuerte Liebesbeziehung mit Gott zu bringen und hieraus ihren Dienst tun zu lassen, verbirgt sich ein „Spiritual Formation“-Prozeß, der in zentraler Weise Gedankengut und Konzepte der Mystikerin Teresa von Avila wie die „Sieben Wohnungen der inneren Seelenburg“ benutzt.

In besagter Replik von Sam Metcalf finden sich zunächst die üblichen Ausflüchte, die einem auch sonst überall dort begegnen, wo man sich nicht klar von emergenten Netzwerken und Beratern abgrenzen will, nämlich daß die Emerging Church theologisch sehr breit gefächert und keineswegs monolithisch sei, daß einige ihrer theologischen Einsichten gut und andere weniger gut seien, daß Emergent Village nur ein Teil der Bewegung und nicht repräsentativ sei etc., während das eigentliche die Kritik hervorrufende Hauptmerkmal der Emergenten Bewegung, nämlich die propagierte Unterwerfung des christlichen Glaubens unter den Postmodernismus als obersten Deuterahmen, geflissentlich übergangen wird. Dann bringt er jedoch Sätze, die man fast überlesen könnte, in denen er es aber an Klarheit nicht fehlen läßt:

But overall, I personally believe this is a movement of God which stands squarely in the flow of the great, historical renewal movements of the past 2000 years.

[…]

Regardless, CRM is committed to serve the emerging church and to help in any way possible to develop and empower the leadership of this movement.

[…]

In many respects, the emerging church movement is profoundly biblical.

(aus: Sam Metcalf, Blog „Under The Iceberg“, Posting „Backlash to the Emerging Church“ vom 30.01.2008 )

Viele weitere Postings auf „Under the Iceberg“ belegen die eindeutig pro-emergente Haltung von Sam Metcalf und CRM. So arbeitet CRM mit den in emergenten Kreisen weltweit bekannten Referenten Alan Hirsch und Michael Frost (Forge Australia) zusammen; ferner verteidigt Sam Metcalf Brian McLaren und die große Linie in seinem Gesamtwerk, preist ihn für seinen weltanschaulich-geschichtlichen „Durchblick“ und bedauert lediglich die 5% seiner Äußerungen, für die er zurecht Prügel beziehen würde, die er aber auch durch andere Argumente hätte ersetzen können; ebenso verteidigt Metcalf das stark mit kontemplativer Mystik durchsetzte „Neue Mönchtum“, indem er es mit der Lebensgemeinschaft der Urgemeinde sowie in protestantischen Erweckungsbewegungen gleichsetzt und als „apostolische Struktur“ bezeichnet. All dies macht klar, daß es sich bei CRM in der Tat um ein weiteres emergent-missionales Missionswerk, genauer gesagt: ein emergent-missional-kontemplatives Missionswerk handelt.

CRM ist übrigens auch in Deutschland aktiv, und die Deutschland-Aktivitäten unterstreichen die eben gegebene Einschätzung. Neben dem Arbeitszweig „Ethne Germany“, der durch ein nach Kandern im Südschwarzwald (wo sich die 1956 vom Janz-Team gegründete Black Forest Academy befindet) ausgesandtes Ehepaar verkörpert wird, wirkt CRM in Deutschland vor allem über die anfangs erwähnte CoNext-Schiene gleichgesinnter CRM-Partnerorganisationen:

There are currently CoNext partners in these nine locations:

  • Australia
  • Canada
  • Germany (Mateno – click here for the English site)
  • Hungary (Barnabas Csoport)
  • Korea
  • The Middle East
  • Nigeria (Harvest Leaders‘ Network)
  • United Kingdom
  • Venezuela

(aus: CRM Empowering Leaders: The CoNext Network)

Deutscher CoNext-Partner von CRM ist die 2008 gegründete Vereinigung „mateno“, die von Mark Reichmann („Pfaffe 3000“), Gründer und langjähriger Leiter der Kubik-Gemeinschaft Karlsruhe und Urgestein der deutschsprachigen Emergent-Szene ( Übersicht Emergent Deutschland), geleitet wird und zu deren Leitung darüber hinaus auch wesentliche Teile der emergenten Künstlergemeinschaft „motoki-Kollektiv“ aus Köln-Ehrenfeld gehören. mateno betreibt die Projekte

  • Lebensgemeinschaft Bethanien, ein „Zentrum für ganzheitliches Leben und Spiritualität am Stadtrand von Karlsruhe“
  • FROH! Magazin, ein emergentes Gesellschaftsmagazin
  • 7sterne Buch- und Kunst-Edition
  • hellwach Fastenzeit-Aktion

und vereint praktisch die Projekte und ihre Ideengeber in Form einer emergenten Multi-Site-Kommunität mit Standorten in Karlsruhe, Köln-Ehrenfeld und Krefeld. Daß sich der eine oder andere mateno-Mitstreiter auf seinem Profil auch als „Storyteller“ bezeichnet, dürfte nach dem weiter oben Gesagten kaum noch überraschen. Erklärtes Ziel von mateno ist es, im Sinne einer diffusen postmodernistischen „christlichen Spiritualität“ lebens- und veranstaltungsmäßig auch nach außen zu wirken, hierzu bestimmte Wertefragen in der Gesellschaft aufzugreifen (wobei die Zusammenstellung bereits ein bestimmtes Mindset erkennen läßt) und sich sogar für Kommunikations-, Werte- und Teambildungs-Workshops in Unternehmen und Organisationen anzubieten, wofür man eine entsprechende professionelle Broschüre erstellt hat.

Der Gründung von mateno ging 2007 ein Besuch von CRM-Präsident Sam Metcalf in Karlsruhe zum gegenseitigen Kennenlernen voraus, über den auf seinem Blog folgendes zu lesen ist:

[Foto von Mark Reichmann und zwei Mitstreitern]

Ich verbrachte neulich mehrere Tage mit diesen üblen Typen [ironischer „Urban Slang“, meint hier „schwer in Ordnung“] in Deutschland, um eine missionale Kommunität südlich von Heidelberg  kennenzulernen. Was wir sahen und erlebten, ist eine faszinierende Fallstudie einer Emerging Church, die in einzigartiger Weise für Europa gemacht ist. Sie wird geleitet und bevölkert von jungen urbanen Kulturschaffenden.

Jede Generation hat solche Männer und Frauen gehabt, aber jetzt, wo die westliche Kultur ins 21. Jahrhundert hineintaumelt, ist die Größe dieser demographischen Klientel beträchtlich und wächst weiter. Die Zukunft der christlichen Bewegung in einem solchen Umfeld wie Europa hängt stark davon ab, wie der überlieferte Glaube sich in dieses kulturelle Milieu hineinhängt und von ihm aufgenommen wird.

[…]

Kommentar von Mark Reichmann am 06.11.2007:

Hey Sam, vielen Dank für deinen Besuch bei uns. Es war ein Vorrecht… unser Kopf und unser Herz sind immer noch schwer am Durchkämpfen durch all das, was du uns hinterlassen hast. Ich freue mich schon darauf, wie all dies ausgehen wird… Laß uns in Kontakt bleiben. Frieden, Liebe und Respekt, Mark

Kommentar von Andrew Jones (Tall Skinny Kiwi) am 06.11.2011:

Ich erkenne meinen guten Freund Mark Reichmann auf dem Foto.

(aus: Sam Metcalf, Blog „Under The Iceberg“, Posting „Urban Cultural Creatives“ vom 04.11.2007 – Übertragung: Torsten Narjes)

Beim Kennenlernen ist es nicht geblieben, wie wir wissen, denn heute ist mateno, dessen Gründung wohl ganz wesentlich durch dieses Treffen „getriggert“ worden sein dürfte, ein fest ins CoNext-Netzwerk integrierter Partner von CRM. Übrigens wird, ganz ähnlich wie bei ServeTheCity in bezug auf CAI, von der mateno-Website aus in keinster Weise die Verbindung zu CRM ersichtlich – mit einer Ausnahme: Auf der Referenzen-Seite der eben erwähnten Broschüre lesen wir:

Profilierung

Beratung für das internationale Netzwerk CRM: Wie kann sich das Netzwerk in verschiedenen Kulturen und Kontexten positionieren?

(aus: mateno und partner, Broschüre, S.6)

Aber wer oder was CRM ist, wird an dieser Stelle für den unkundigen Leser völlig im Dunklen gelassen. narjesus-Blog-Leser wissen aber ab jetzt, was es mit CRM auf sich hat – nämlich daß es sich bei CRM um eine weitere, die Emergentisierung der evangelikal-charismatischen Szene gezielt vorantreibende internationale Organisation mit dem besonderen Schwerpunkt „kontemplative emergent-missionale Kommunitäten“ handelt.

Und ähnlich wie bei CAI kann ich auch hier abschließend nur sagen: Wessen Herz für die Wahrheit des Wortes Gottes sowie die Verbreitung einer gesunden biblisch-christlichen Lehre und Weltsicht schlägt und wer die emergente Bewegung zurückgedrängt sehen möchte, dem kann ich nur dringend von einem Engagement bei CRM und seinen Partnern oder einer anderweitigen Inanspruchnahme dieser Organisationen abraten.

Hannoversche Landeskirche und Bistum Hildesheim holen sich die Emergente Bewegung heran

Gerade habe ich indirekt durch einen Besuch auf Rolf Krügers Blog „Auf’n Kaffee“ erfahren, daß für den 14.-16.02.2013 in Hannover der ökumenische Kirchenkongreß „Kirche hoch 2“ geplant ist, der gemeinsam vom „Haus für kirchliche Dienste“ der Ev.-luth. Landeskirche Hannover (HkDH) und dem katholischen Bistum Hildesheim verantwortet wird. Das Besondere an diesem Kongreß ist, daß erstmals auf einer offiziellen Plattform der beiden „großen Kirchen“ die Emergente Bewegung als Experten, Impuls- und Stichwortgeber für die Zukunft der großen Kirchen herangeholt wird. Allein drei der acht bisher vorgesehenen Konferenzsprecher sind eindeutig in der Emergenten Bewegung verortet, nämlich Michael Herbst (IEEG Greifswald), Christina Brudereck, und als absoluter Clou eine der schillerndsten Persönlichkeiten der Emergenten Bewegung weltweit: Nadia Bolz-Weber, Pastorin der Gemeinde „House for all Sinners and Saints“ in Denver, Colorado (USA)! Hinzu tritt noch Fabian Vogt als Referent in einem der konferenzbegleitenden Foren. Beteiligt an der Vorbereitung ist auch die zum Netzwerk Emergent Deutschland gehörige Gifhorner Pastorin Sandra Bils.

Daß man offenbar dem – von emergenten Landeskirchlern nahegelegten – gedanklichen Duktus folgt, den von der liberal-säkularisierten Theologie der Universitätsfakultäten maßgeblich verursachten Niedergang weiter Teile der EKD stattdessen auf eine mangelnde Postmodernität zurückzuführen und ihm nun ausgerechnet die emergente Theologie als „Medizin“ entgegenzusetzen, macht nun wirklich den Bock zum Gärtner.

DVD-Tip: „The Emerging Church“ von „Always Be Ready“ (ABR) Apologetics Ministry

Charlie H. Campbell, Leiter des zur Calvary-Chapel-Bewegung gehörigen Apologetik-Dienstes „Always Be Ready“ (ABR), hat einen 2008 von ihm selbst gehaltenen Konferenzvortrag über die Emergente Bewegung als DVD herausgebracht, die sehr gut geeignet ist, um sich ebenso rasch wie gründlich einen ersten Überblick über Emergent und seine Lehren zu verschaffen, ohne sofort eine Unzahl von Büchern wälzen zu müssen.

DVD "The Emerging Church"

Links: DVD-Cover „The Emerging Church“ – Rechts oben: Charlie H. Campbell während des Vortrags – Rechts unten: PPT-Folie aus dem Vortrag zu Rob Bells Verständnis von „Erlösung“ anhand eines Zitats aus seinem Buch „Velvet Elvis“

Nachdem er die Emerging Church theologisch-weltanschaulich charakterisiert und geographisch verortet, Emergent Village als international prägendste Organisation der Emergenten Bewegung und Brian McLaren, Rob Bell, Doug Pagitt sowie Tony Jones als ihre wichtigsten Persönlichkeiten herausgestellt hat, behandelt er im Hauptteil des Vortrags anhand von Zitaten aus Büchern, Radiobeiträgen und Interviews dieser führenden emergenten Leiter die charakteristischen häretischen Züge der emergenten Theologie anhand der folgenden Punkte:

  1. Das Evangelium, sein Inhalt (wer oder was wird erlöst und wovon?) und seine Verstehbarkeit
  2. Die inhaltliche Unwandelbarkeit der christlichen Botschaft
  3. Die Dreieinigkeit Gottes
  4. Die Jungfrauengeburt
  5. Das künftige Gericht und die Hölle
  6. Homosexualität
  7. Die Übernahme unbiblischer spiritueller Praktiken
  8. Die Klarheit und Verstehbarkeit der Schrift (Rob Bell: „Sprache versagt“)

Die zahlreichen, während des Konferenzvortrags benutzten Powerpoint-Folien mit Bibelstellen, wichtigen Kerngedanken sowie Zitaten aus öffentlichen Statements der Führer der Emergenten Bewegung (u.a. aus Rob Bells „Velvet Elvis“ und Brian McLarens & Tony Campolos „Adventures in Missing the Point“) werden beim Abspielen der DVD an den entsprechenden Stellen eingeblendet.

Diese trotz ihres Alters von 4 Jahren weiterhin absolut empfehlenswerte DVD kann nur direkt bei „Always Be Ready“ bestellt werden und kostet 11,95 US-$. Der Versand nach Deutschland dauert knapp 2 Wochen und schlägt mit 3,50 US-$ zu Buche, so daß die DVD auch hierzulande für insgesamt weniger als 16 US-$ zu haben ist. Kostenfreies ergänzendes Material kann von der ABR-Website unter „Emerging Church“ heruntergeladen werden.

Richtig gut wäre es natürlich, wenn es eine DVD dieser inhaltlichen Qualität gäbe, die speziell auf die westeuropäischen Verhältnisse zugeschnitten wäre und dabei die neuen internationalen Verbindungen („Amahoro Africa“), die „seltsam unbekannten Missionswerke“, den in Deutschland stärker ausgeprägten intellektuell-postmodernistischen Charakter der Bewegung sowie neben Brian McLaren & Co. die wichtigsten deutschen, europäischen, australischen und südafrikanischen Akteure berücksichtigt.

„Wir dürfen nicht über Christi Himmelfahrt sprechen“

Das durch den postmodernistischen Relativismus verzerrte Denken unserer Gesellschaft schlägt immer stärker auf unser Gemeinwesen und seine Einrichtungen durch. Wie mir verschiedentlich zu Gehör gebracht wird, wollen in bestimmten öffentlichen Schulen Kinder mancher islamischer Eltern immer stärker bestimmen, was im Unterricht gesagt und gemacht werden darf und was nicht – und aus einer falsch verstandenen Rücksichtnahme auf ihre Weltanschauung kommen sie damit durch. Die islamisch motivierte Beschränkung der Informationsfreiheit, ja sogar der Realitätswahrnehmung, droht damit an gewissen Schulen zu einem de-facto-Verhaltensmaßstab zu werden.

Da dürfen – so meinen diese Schüler – noch nicht einmal Bibeln angefaßt und von A nach B getragen werden, denn, so heißt es, „wir dürfen keine Bibeln sehen und anfassen“. Christliche Restaspekte unserer Alltagskultur, die noch von der einst – zumindest in erheblichen Anteilen – dahinterstehenden christlichen Denkbasis zeugen, möchte man nicht thematisiert sehen. Selbst ein schlichtes Informieren über Ursprung und Bedeutung des Feiertags „Christi Himmelfahrt“ – an dessen Eigenschaft, ein unterrichtsfreier Tag zu sein, man in der Schule kaum vorbeikommt – wird unmöglich: „Das dürfen wir nicht hören!“, heißt es dann sofort. Allein die bloße gedankliche Vorstellung eines derartigen Umgangs mit Realitäten wäre zu meiner Schulzeit vor 30-40 Jahren völlig absurd gewesen. Und es ist ein unheilvolles Vorzeichen der Unfreiheit, die uns in Westeuropa schon bald droht, wenn der dahinterstehenden postmodernistisch-relativistischen „Denke“ in puncto Wahrheit, Realität und „cultural sensitivity“ nicht umgehend deutlich, mutig und öffentlich wahrnehmbar widersprochen wird.

Passend zur hier beschriebenen Situation bringt die aktuelle Ausgabe 20/2012 von idea Spektrum als „Wort der Woche“ einen Ausspruch des Schweizer Kardinals Kurt Koch: „Das eigentliche Problem in Europa ist nicht die Stärke des Islams, sondern die Schwäche des Christentums“.

Nun wissen wir alle, daß durch bloße Betonung des „Christentums“ im Sinne eines kulturellen Elements weder Europa noch die Gemeinde Jesu Erweckung oder ein tieferes Unterwegssein mit Jesus erleben werden. Bedeutsam und inhaltsschwer wird der genannte Ausspruch aber, wenn wir folgendes bedenken: Dieses heutige Europa ist der irrigen Annahme verfallen, daß es weiter seine Segnungen genießen kann und zugleich das biblisch-christliche Weltbild, das in maßgeblicher Weise Fundament dieser Segnungen ist, ohne Auswirkungen darauf aus seinem Gebäude herausreißen und auf der weltanschaulichen Bauschuttdeponie entsorgen kann. Und dies wiederum ist vor allem deshalb möglich geworden, weil man in der Gemeinde Jesu das wirksame Lehren biblisch-christlichen Denkens geradezu sträflich vernachlässigt hat, sie somit für die weltanschauliche Auseinandersetzung nicht gerüstet ist, Weltanschauungen nicht mehr biblisch-christlich hinterfragt und zutiefst darüber verunsichert ist, inwiefern das Evangelium und die Gesamtbotschaft der Bibel Wahrheit sind und zur Basis gesellschaftlicher Entscheidungen gemacht werden dürfen – ja, welches Wesen Wahrheit überhaupt besitzt. Hier haben vor allem die Einflüsse von postmodernistischem Konstruktivismus sowie der sogenannten „Critical Studies“ in der Ausbildung von Lehrern und Erziehern – Berufe, die traditionell in hohem Maße von der jungen Generation in Gemeinden gewählt werden und daher in der Gemeinde Jesu „überrepräsentiert“ sind – ganze Arbeit geleistet.